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Mannesmannröhren-Werk in Zeithain: TPE-Verfahren feiert zehnjähriges Jubiläum

Mannesmannröhren-Werk in Zeithain kann auf eine noch viel längere Tradition zurückblicken

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass in Zeithain erstmals auf der Welt ein Drei-Walzen-Schrägwalzwerk erfolgreich mit einer Stoßbank kombiniert wurde. Allerdings war es bis dahin ein weiter Weg.

Am Anfang stand die 1886 patentierte Erfindung des ersten Walzverfahrens zur Herstellung nahtloser Stahlrohre sowie – in den 1890er-Jahren – die Erfindung des Pilgerschritt-Walzverfahrens durch die Brüder Reinhard und Max Mannesmann.

Die Kombination von Pilgerschritt- und Schrägwalzen wurde in der Folge als "Mannesmann-Verfahren" weltweit bekannt. Parallel dazu entwickelte der deutsche Erfinder Heinrich Ehrhardt die im Jahr 1891 patentierten "Ehrhardt’schen Preß- und Ziehverfahren" zur Fabrikation nahtloser Rohre. Sie werden ebenfalls bis zum heutigen Tag im Rohrwerk Zeithain angewendet.

Das TPE-Verfahren (Three-Roll-Piercing-Elongation) ist Grundlage der erstmals weltweit vereinten Anlagenkombination aus einer Stoßbank und einem Drei-Walzen-Schrägwalzwerk

Neues Verfahren in Zeithain entwickelt

Überhaupt haben nahtlose Stahlrohre aus Sachsen bereits eine lange Tradition. Sie reicht bis in das Jahr 1907 zurück, als in Riesa die erste Produktionsanlage in Betrieb genommen wurde. Im Mai 1961 fand die Grundsteinlegung zur Errichtung des neuen Rohrwerks im VEB Stahl- und Walzwerk Riesa in Zeithain statt, aus dem dann im Jahr 1991 die Mannesmannröhren-Werke Sachsen GmbH als hundertprozentiges Tochterunternehmen der Mannesmannröhren-Werke AG hervorging.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts stellte sich jedoch immer deutlicher heraus, dass der bisherige Verfahrensweg mit Lochpresse und Elongator aufgrund steigender Qualitätsansprüche und höherer Produktionsmengen nicht mehr zeitgemäß war.

Zeithainer Ingenieure entwickelten daher im Versuchswalzwerk des Vereins zur Förderung von Umform- und Produktionstechnik (VFUP) in Riesa ein neues Verfahren. Mit technischer und technologischer Unterstützung von SMS, Salzgitter Mannesmann Forschung und VFUP passten sie den Drei-Walzen-Locher unter Nutzung des bisherigen Elongators an die besonderen Gegebenheiten mit einer Stoßbank erfolgreich an. Aus Punching-Elongation wurde Three-Roll-Piercing-Elongation (TPE).

Nach erheblichen Anlaufproblemen im Jahr 2008 und der Stahlkrise 2008/2009 zeigten die ersten Monate des Jahres 2011 erstmals die volle Leistungsfähigkeit des Zeithainer Walzwerks. Durch das neue, innovative Konzept konnte die Produktionskapazität von 170.000 t auf rund 200.000 t im Jahr erhöht werden. Heute ist das Werk Zeithain einer der leistungsfähigsten Hersteller im Marktsegment nahtloser Rohre mit kleinen Durchmessern und verfügt zugleich über die modernste Rohrstoßbankanlage Europas.

Schrägwalzskizze aus dem Tagebuch von Max Mannesmann, September 1883

Erschienen im Salzgitter-Konzernmagazin STIL, Ausgabe 1/2019, Seite 31